Die Pragmatic Identity Matching-Forschung

Das Pragmatic Identity Matching-Konzept von Dr. Markus Erbach* (siehe Anmerkung Randspalte) wurde 2004-2011 in der Disseration "Identity Matching - inhaltliche Integration in der strategischen Kommunikation" entwickelt. Es ist seit 2005 in mehreren Organisationen und Unternehmen erfolgreich eingesetzt worden und wird seit 2011 mit anderen Forschern weiter entwickelt.

Die folgende wissenschaftliche Beschreibung des Pragmatic Identity Matching-Konzepts basiert auf der Identity Matching Executive Summary vom November 2013 von Dr. Markus Erbach:

Pragmatic Identity Matching nach Erbach

Zusammenfassung: Das Pragmatic Identity Matching-Konzept ermöglicht die systematische Gegenüberstellung und den geplanten Abgleich unterschiedlichster Voraussetzungen und Interessen. Es stellt als System und Software eine neuartige Informationsstruktur zur wertneutralen Integration von Inhalten zwischen Teilnehmern bzw. Subjekten einer Kommunikation bereit. Pragmatic Identity Matching ist eine wissenschaftliche Datenaufbereitung, die integratives Denken ermöglicht und kooperatives Handeln zu Ziel hat: Barrieren werden abgebaut, Handlungspotenziale werden gesteigert und Lösungen generiert. Pragmatic Identity Matching ist nahezu universell anwendbar, es ist zugleich ein kommunikationsstruktureller Ansatz wie eine Erkenntnistheorie und basiert auf transdisziplinärer Forschungsarbeit.

I. Merkmale des Pragmatic Identity Matchings

Das Pragmatic Identity Matching-Konzept 

  • wendet ein universelles Schema der Identität (Identitymatrix) auf beide Seiten einer Kommunikation (bzw. auf Kommunikationsgegenstände) an,
  • vergleicht dadurch unterschiedlichste Inhalte wertneutral und
  • gleicht sie nach demselben Schema in geplanter Weise miteinander ab.

Dadurch wird ein grundlegendes Problem der geplanten Kommunikation gelöst (vgl. dazu Forschungslücke der BWL nach BRUHN 2009): die „inhaltliche Integration in der strategischen Kommunikation“. Sie ist auch für alle anderen Wissenschaften und Fachgebiete relevant, in denen Inhalte in geplanter Weise vermittelt werden sollen.

Die Universalität des Pragmatic Identity Matchings

  • resultiert aus der Idee der geplanten Passung von Identitäten (Identity Matching)
  • basiert auf der Grundannahme, dass jedes Lebewesen, jeder Gegenstand, jede Organisation und jedes Ereignis eine „Identität“ hat.


Das Pragmatic Identity Matching-Konzept kann als Verkörperung von drei unterschiedlichen Methoden bzw. Ansätzen verstanden werden: 

  1. Als kommunikationsstruktureller Ansatz: Erbach‘s Identitätsschema besteht aus der „Identitätstriade“ und der „Matrix für Identity Matching“ für die strukturierte Beschreibung und zum systematischen Abgleich zweier Identitäten bzw. Kommunikationsgegenstände. Es basiert auf der „triadischen Zeichenrelation“ der Semiotik (Lehre vom Zeichen, gr. „Semion“) nach PEIRCE (1839-1914). 
  2. Als Erkenntnistheorie und Philosophie: Erbach‘s semiotische Identitätstriade korrespondiert mit den handlungspsychologischen Phasen „Erkennen, Bewerten, Handeln“. Als System für den Gewinn von Erkenntnissen aus dem Verhältnis zu einem Gegenüber eröffnen sie neue Potenziale und Handlungsmöglichkeiten.
  3. Als informationstechnologischer Ansatz: Das Triadensystem erlaubt über systembedingte Fraktalisierungsprozesse an jeder Stelle eine interessengeleitete Informationsvertiefung. Eine webbasierte Multi-User-Software (Betaversion vorhanden) vereinfacht die Umsetzung und Handhabung vom Identity Matching-Prozess.

Wissenschaftlich kann Pragmatic Identity Matching verortet werden als

  1. Theorie zur Gewinnung neuer Erkenntnisse (Heuristik) durch die Vernetzung spezifisch strukturierter Inhaltsmodule beschrieben werden,
  2. strukturwissenschaftlicher Ansatz (Strukturwissenschaft), der anderen wis-senschaftlichen Disziplinen und Fachgebieten zur geplanten Integration und gezielten Vermittlung ihrer Inhalte als Hilfswissenschaft zur Verfügung steht.

Das digitale Wissensarchiv der Identity Matching-Software verbindet alle innengerichteten und aussengerichteten Entwicklungsstadien und damit verbundenen Prozesse einer Identität (d.h. Inhalt, Thema, Produkt, Organisation usw.) als Kommunikationsgegenstand in Bezug auf ein Gegenüber (d.h. Markt, Zielgruppen, Wettbewerber usw.). In der Informationsstruktur der „Matrix für Identity Matching“ integriert es Expertenwissen und Crowd Thinking.

Das Pragmatic Identity Matching-Konzept führt zu einer nachhaltigen Verbesserung der Beziehungen der beteiligten Akteure durch die optimalen Nutzung vorhandener Ressourcen und die Erweiterung gemeinsamer Gestaltungsspielräume. Dies wird erreicht durch

  • Aufhebung der Einseitigkeit der Standpunkte, weil der Einzelne oder die Gruppe andere Perspektiven nun transparent in Betracht ziehen kann,
  • Symmetrie der Kommunikation, weil man den anderen als Gegenüber in seiner Welt und den damit verbundenen Belangen angemessen wahrnehmen kann,
  • individuelle Tiefe und Authentizität, weil alle Kommunikationsangebote gegen-seitig in jeder beliebigen Tiefe präsentiert und wahrgenommen werden.

Das Gelingen der Verknüpfung der Wissensbestände begründet sich  

  • durch den Abbau von Barrieren, den Gewinn neuer Erkenntnisse und der Entwicklung gemeinsamer Lösungswege und Synergien,
  • durch die über Identitätstriaden mögliche systematisch geplante Verbindung und den strukturierten Abgleich gänzlich unterschiedlicher Themen, Ereignisse, Gegenstände, Lebewesen, Kulturen, Kommunikationsteilnehmer, Voraussetzungen, Interessen, Ideen, Konzepte, Visionen usw.
  • durch das über die webbasierte Multi User Schnittstelle prinzipiell unbegrenzte Maß der Beteiligung der Akteure und der Nutzung vorhandener Wissensbestände.

Voraussetzende Einschränkung:

  • Die Arbeit mit Pragmatic Identity Matching bedarf der Bereitschaft der beteiligten Akteure, zu kooperieren und gewonnene Einsichten und Lösungswege umzusetzen.

Herausragender Vorteil:

  • Der informationsstrukturelle Ansatz bietet im Unterschied zu inhaltlich orientierten Ansätzen den Vorzug, unterschiedlichste Bedürfnisse wertneutral gegenüberstellen und somit überhaupt erst verhandelbar zu machen.

Im Anwendungsprozess von Pragmatic Identity Matching zielt jeder Gewinn neuer Perspektiven auf die systematisch geplante Veränderung bzw. Verbesserung bestehender komplexer Zustände und Situationen. Dafür stehen erprobte Instrumente und Methoden bereit.

II. Pragmatic Identity Matching-Anwendungsdimensionen

Der Einsatz des Pragmatic Identity Matchings erfolgt überall dort, wo die geplante Integration von Inhalten vielversprechend bzw. notwendig ist – von ganzheitlichen Integrations- und Verständigungsprozessen bis zur individuellen Beziehung zwischen Gruppen, Organisationen und Mitgliedern:

  1. in sozialen, ökonomischen und ökologischen Kontexten
  2. im wissenschaftlichen Kontext
  3. in politischen und interkulturellen Kontexten

1. sozio-ökonomische Nutzungspotenziale (Beispiele)

  • markt- und zielgruppenorientierte Entwicklung kommerzieller Identitäten (Corporate und Brand Identity; Produkt- und Markenentwicklung; Innovationen)
  • planmäßige Bezugnahme von Unternehmen, Organisationen usw. auf ein Gegenüber (als Markt, Wettbewerb, Gesellschaft, Anspruchsgruppen, Zielgruppen)
  • zielgruppenorientierte Kommunikation (Kampagnen der Information und Werbung für Projekte, Programme, Angebote von Parteien, Unternehmen, Organisationen)
  • zielorientierte Entwicklung, Steuerung und Optimierung von Organisations- und Prozessstrukturen (integrierte Produktion, Optimierung interner Abläufe usw.)
  • zielgruppenorientierte Entwicklung von Lernsystemen und Wissensdatenbanken (Konzeption von Studiengängen, interessengeleitete Wissensvernetzung usw.)

2. wissenschaftliche Nutzungspotenziale (Beispiele)

  • Strukturierung von Forschungsgebieten (intradisziplinär)
  • Verknüpfung von Forschungsgebieten/Kooperationen (interdisziplinär)
  • Integration von Forschung und Anwendungspraxis
  • Wissenschaftsmanagement, intra- und interdisziplinär
  • Qualitätsmanagement für Forschung und Lehre
  • Vermarktung von Forschungsergebnissen

3. politisch-interkulturelle Nutzungspotenziale (Beispiele)

  • Entwicklung bürgerorientierter Verwaltungsangebote und Kommunikation
  • Partizipationsprogramme für die Bearbeitung politisch relevanter Fragestellungen
  • Vermittlung zwischen unterschiedlichen Überzeugungen und Interessen
  • (inter-)nationale Integrationsprogramme für multikulturelle (Rand-)Gruppen  
  • Moderation und Konfliktschlichtung (nationale und internationale Beziehungen)
  • Angleichung unterschiedlicher Voraussetzungen (Rechtssysteme, Infrastrukturen)

III. Weiterentwicklung des Pragmatic Identity Matchings

Die volle Entfaltung des Wirkungsspektrums des Pragmatic Identity Matching-Konzepts erfordert die drei Realisationsbereiche der Forschung, Verwertung und Stiftung. Es ist das Ziel, Pragmatic Identity Matching weiter zu entwickeln, zu etablieren und zu verbreiten.